Der vergessene Zugang zur GLT

Der vergessene Zugang zur GLT

Gebäudeautomation wird über viele Jahre betrieben. In dieser Zeit wechseln Dienstleister, Mitarbeiter und Verantwortlichkeiten. Fernwartungszugänge werden eingerichtet, temporäre Konten entstehen und einzelne Komponenten erhalten irgendwann keine Sicherheitsupdates mehr.

Technisch kann das Gebäude weiterhin störungsfrei arbeiten. Organisatorisch wächst jedoch eine unsichtbare Angriffsfläche. Besonders kritisch sind Zugänge, deren Zweck, Eigentümer oder aktuelle Notwendigkeit niemand mehr kennt.

Warum GLT-Zugänge besonders relevant sind

Eine Gebäudeleittechnik verarbeitet nicht nur Daten. Sie beeinflusst Wärme, Lüftung, Kühlung, Beleuchtung, Zutritt und teilweise kritische Produktions- oder Versorgungsprozesse. Ein unberechtigter Zugriff kann deshalb Auswirkungen auf Betriebssicherheit, Komfort, Energieverbrauch und Verfügbarkeit haben.

IT-Sicherheit in der Gebäudeautomation darf daher nicht ausschließlich als Aufgabe der klassischen IT betrachtet werden. Sie ist eine gemeinsame Betriebsaufgabe von IT, Facility Management, Betreiber und Dienstleistern.

Der erste Schritt ist vollständige Transparenz

Bevor Schutzmaßnahmen bewertet werden können, muss bekannt sein, welche Systeme und Zugänge existieren. Ein aktuelles Verzeichnis sollte mindestens enthalten:

  • erreichbare GLT-, Automations- und Managementsysteme
  • Netzwerksegmente und Übergänge
  • Fernwartungslösungen und VPN-Zugänge
  • Benutzer- und Dienstkonten
  • zugehörige Personen oder Organisationen
  • Zweck und Berechtigungsumfang
  • Erstellungs- und Ablaufdatum
  • verantwortlicher Eigentümer
  • Software- und Firmwarestände

Ohne dieses Inventar bleiben Risiken zwangsläufig unsichtbar.

Persönliche Konten statt geteilter Passwörter

Geteilte Zugangsdaten sind bequem, verhindern aber eine verlässliche Zuordnung. Wenn mehrere Personen dasselbe Konto verwenden, lässt sich später kaum nachvollziehen, wer eine Änderung vorgenommen hat. Beim Ausscheiden eines Mitarbeiters muss zudem ein gemeinsam bekanntes Passwort geändert werden.

Persönliche Konten mit rollenbasierten Berechtigungen verbessern Nachvollziehbarkeit und begrenzen Zugriffe auf tatsächlich benötigte Funktionen. Wo technisch möglich, sollte eine starke Mehrfaktor-Authentifizierung eingesetzt werden.

Berechtigungen brauchen einen Lebenszyklus

Zugänge werden häufig bei Projektbeginn eingerichtet, aber nach Abschluss nicht konsequent entzogen. Ein sicherer Prozess betrachtet deshalb den gesamten Lebenszyklus:

Zugang wird beantragt und fachlich genehmigt.

Rechte werden nach dem Minimalprinzip vergeben.

Nutzung und Gültigkeit werden dokumentiert.

Berechtigungen werden regelmäßig überprüft.

Bei Rollenwechsel oder Projektende wird der Zugang entzogen.

Protokolle und offene Verantwortlichkeiten werden kontrolliert.

Temporäre Zugänge sollten automatisch oder verbindlich zu einem festgelegten Zeitpunkt ablaufen.

Netzwerksegmentierung begrenzt Auswirkungen

Gebäudeautomation sollte nicht unkontrolliert mit Büro-IT, Gastnetzen oder dem Internet verbunden sein. Eine sinnvolle Segmentierung reduziert erreichbare Angriffsflächen und begrenzt die Auswirkungen kompromittierter Komponenten.

Übergänge zwischen Netzen benötigen klar definierte Regeln. Fernzugriffe sollten über kontrollierte, protokollierte Verbindungen erfolgen und nicht über dauerhaft offene Standarddienste einzelner Komponenten.

Protokollierung muss ausgewertet werden

Protokolle schaffen nur dann Sicherheit, wenn sie verfügbar, zeitlich korrekt und auswertbar sind. Relevante Ereignisse sind Anmeldungen, fehlgeschlagene Zugriffe, Rechteänderungen, Konfigurationsänderungen und Fernwartungssitzungen.

Für kritische Systeme sollte festgelegt sein, wer diese Informationen prüft und wie bei Auffälligkeiten reagiert wird.

Alte Komponenten und Updates

Viele Automationskomponenten haben lange Lebenszyklen. Das macht Patch- und Updateprozesse anspruchsvoll, aber nicht entbehrlich. Betreiber benötigen eine Übersicht über unterstützte Versionen, bekannte Schwachstellen und mögliche Kompensationsmaßnahmen.

Kann eine Komponente nicht aktualisiert werden, sind Segmentierung, Zugriffsbeschränkung und gegebenenfalls ein geplanter Austausch besonders wichtig.

Zuständigkeiten verbindlich regeln

Cybersecurity scheitert häufig an Lücken zwischen IT und Gebäudebetrieb. Die IT kennt Netzwerksicherheit, aber nicht jede Anlagenabhängigkeit. Das Facility Management kennt den Betrieb, aber nicht immer alle digitalen Risiken.

Ein gemeinsames Verantwortungsmodell sollte festlegen, wer Konten verwaltet, Updates bewertet, Fernzugriffe genehmigt, Protokolle prüft und im Sicherheitsfall koordiniert.

Fazit

Der beste Fernzugriff ist nicht der bequemste, sondern derjenige, dessen Zweck, Eigentümer, Berechtigung und Lebensdauer bekannt sind.

Ein aktuelles Inventar, persönliche Konten, minimale Rechte, Netzwerksegmentierung und geregelte Entzugsprozesse bilden die Grundlage für sichere Gebäudeautomation. So bleibt die GLT auch über Dienstleister- und Betreiberwechsel hinweg beherrschbar.